Wenn der Boden vibriert

Wenn die seismischen Messungen in Ortschaften stattfinden, dann stossen sie auf besonderes Interesse. Zum einen weil die grossen Maschinen äusserst beeindruckend sind und zum anderen, weil man das Rütteln, das von den Vibratoren ausgeht, in den Füssen spürt – wenn man nahe genug an den Fahrzeugen dran ist. Je nach geologischem Untergrund spürt man die Druckwellen schwächer oder stärker. Es können gar in manchen Situationen die Gläser in der Vitrine zum Schwingen und damit zum Klingen gebracht werden. Wenn dies der Fall ist, kann das Kribbeln in den Füssen bei einzelnen bis zum Herz hochsteigen.

Einige Hausbesitzer haben Bedenken, dass durch die seismischen Messungen Schäden an ihren Bauwerken entstehen. Ganz ausschliessen kann man dies nicht. Allerdings können Schäden durch aktive Vorsorge vermieden werden. Erstens werden Sicherheitsabstände zu den Häusern eingehalten und zweitens werden die von den Vibratoren verursachten Bodenbewegungen direkt an den anliegenden Häusern gemessen. Jede Messung wird kontrolliert und exakt protokolliert. «Bei einem normalen Haus sind gemäss Baunorm Messwerte von bis zu 5 mm/s unbedenklich», erklärt Corinna Gerfen, die zusammen mit einem Kollegen für den Schutz der Häuser während der Messung verantwortlich ist. Ein schwer beladener, vorbeifahrender Lastwagen könne stärkere Bewegungen erzeugen, erklärt sie. Um Schäden weitestgehend auszuschliessen, werden die Messungen sofort unterbrochen, wenn ein Grenzwert erreicht wird. Bei historischen Gebäuden, Kirchen oder sehr alten Häusern wird ein geringerer Grenzwert zu Grunde gelegt.

Damit ihre Messungen zuverlässig sind, muss Corinna Gerfen ihr Messgerät möglichst nahe an der Hauswand aufstellen. «Wenn ich in einen Garten oder auf eine Terrasse muss, läute ich natürlich zuerst», erklärt sie ihr Vorgehen. Wenn niemand zu Hause ist, geht sie aus Gründen der Sicherheit trotzdem nahe an das Haus heran. «Das bin ich den Hausbesitzern schuldig», sagt sie.

Start seismische Messungen am 24. Oktober

Am 24. Oktober 2011 startet die Nagra mit seismischen Messungen in den potenziellen Standortregionen Jura Ost und Nördlich Lägern.

Die Nagra hat im Oktober 2008 sechs potenzielle Standortgebiete vorgeschlagen, in denen langfristig sichere geologische Tiefenlager gebaut werden können. Alle sechs sind für die Entsorgung schwach- und mittelaktiver Abfälle geeignet; drei davon – Zürich Nordost, Nördlich Lägern und Jura Ost – erfüllen auch die Anforderungen für hochaktive Abfälle. Die betroffenen Standortkantone haben im Juni 2010 eine bessere Vergleichbarkeit der Standortregionen gefordert. Der Ausschuss der Kantone (AdK), die Vertretung der Standortregionen, hat diese Forderung forciert. Hintergrund dafür ist, dass Zürich Nordost am besten untersucht ist, weil die Nagra den Entsorgungsnachweis im Jahr 2006 dort erbracht hat. Dieser Debatte folgend führt die Nagra, wie vom Adk am 19. April 2011 (Link auf MM) angekündigt, im Winter 2011/2012 in der Nordschweiz (und der deutschen Gemeinde Hohentengen) seismische Messungen durch.

Mit den seismischen Messungen vertieft die Nagra die Kenntnisse über den geologischen Untergrund in den Regionen Jura Ost und Nördlich Lägern. Die so gewonnenen Daten liefern weitere Grundlagen für die provisorischen Sicherheitsanalysen, anhand derer in Etappe 2 des Sachplanverfahrens die potenziellen Standortgebiete für hochaktive Abfälle verglichen werden. Da die Sicherheit in dem Standortauswahlverfahren höchste Priorität hat, liefern die Sicherheitsanalysen entscheidende Daten für die Einengung der vorgeschlagenen Gebiete.

Sie finden hier in diesem Blog regelmässig Informationen zum aktuellen Stand der Feldarbeiten. Fragen oder Anmerkungen nehmen wir gerne über das Kommentarfeld entgegen.