Die «Wave-Watchers»

Die seismischen Messungen werden auch in Ortschaften und somit in nächster Nähe von Gebäuden durchgeführt. Der Messtrupp umfasst deshalb auch ein Team, das die von den Vibrationsfahrzeugen verursachten Schwingungen nahe bei oder an Gebäuden fortlaufend misst. Es kontrolliert, ob die Grenzwerte für die Vibrationen nicht überschritten werden. Ist dies der Fall, stoppen die Verantwortlichen im Messwagen – das ist die Schaltzentrale – die Messungen sofort.

Das Team ist für die Sicherheit der Gebäude während der Messungen zuständig und protokolliert die Resultate fortlaufend. Dabei wird unter anderem notiert, wo und wann die Erschütterungsmessungen durchgeführt wurden. Für historische Gebäude, Kirchen oder alte Häuser gelten zudem andere, niedrigere Grenzwerte.

Seismik Oberbözberg (AG)

Die Vibrationsfahrzeuge sind auch in Ortschaften wie hier in Oberbözberg (AG) unterwegs. Die Vibrationen an den Gebäuden werden dort von einem begleitenden Team fortlaufend überwacht (Foto: Nagra).

Schwingungsmessungen

Nemet Karayalcin, auch «Nemo“ genannt, misst Schwingungen direkt an einem Hauseingang (Foto: Nagra).

Erschütterungsmessgerät

Das Erschütterungsmessgerät besteht aus zwei Teilen: Das eine (rote) misst wie ein Geofon die Schwingungen an der Erdoberfläche. Das andere zeigt die gemessenen Werte an (Foto: Nagra).

Lockergesteine sind Bremsklötze für seismische Wellen

In Lockergesteinen breiten sich seismische Wellen langsamer aus als in festem Gestein. Dementsprechend müssen die Messdaten bei der Auswertung korrigiert werden. Dies basierend auf LVL-Messungen (LVL = Near surface low velocity layer) und Aufzeitbohrungen.

Robert Krämer von der Firma DMT ist als «LVL/VSP Observer» für die LVL-Messungen zuständig. Die Karte zeigt, wo überall gemessen wird.

Robert Krämer von der Firma DMT ist als «LVL/VSP Observer» für die LVL-Messungen zuständig. Die Karte zeigt, wo überall gemessen wird.

Einfluss von Lockergesteinen korrigieren
Die Ausbreitungsgeschwindigkeit von seismischen Wellen hängt von der betroffenen Gesteinsart ab. Im festen Gestein beträgt sie 3000 Meter pro Sekunde und in Lockergesteinen «nur» 1700 bis 2000 Meter pro Sekunde. Die Lockergesteinsschicht direkt unter dem Erdboden ist weniger stark verfestigt. Dies erfordert eine Korrektur des Einflusses der Lockergesteine auf die gemessenen Laufzeiten der seismischen Wellen. Die Mächtigkeit der Lockergesteinsschicht variiert: Im Bereich von Flüssen sind die Schotter mehrere Meter dick, während auf Hügeln mit oberflächennahem Fels nur eine wenige Zentimeter dicke Lockergesteinsschicht vorhanden ist.

Die Messgeräte und Geofone zur Durchführung der LVL-Messungen sind sehr handlich.

Die Messgeräte und Geofone zur Durchführung der LVL-Messungen sind sehr handlich.

Seismik-Messung im Miniformat
Ziel der LVL-Messungen (LVL = Near surface low velocity layer) und Aufzeitbohrungen ist das Erstellen eines Geschwindigkeitsmodells der Lockergesteinsschichten, mit dem sich die 3D-seismischen Messdaten korrigieren lassen.
LVL-Messungen sind sozusagen Seismikmessungen im Miniformat. Zum Einsatz kommen ein Fallgewicht von 150 Kilogramm, eine Metallplatte und Geofone mit weiterer Messelektronik. Das Messprinzip ist einfach: Der einmalige Aufprall des Fallgewichts auf die Metallplatte erzeugt Schwingungen. 2 mal 24 Geofone fangen diejenigen Schwingungen auf, die sich entlang der Erdoberfläche durch die Lockergesteinsschicht ausbreiten. Die Geofone sind auf einer Länge von rund 200 Metern ausgelegt, was als Nahlinie bezeichnet wird.

Im Standortgebiet Jura Ost wurden die rund 90 Nahlinien aus der Seismik-Kampagne 2011/2012 nun um knapp 100 Nahlinien ergänzt. Die Resultate der Aufzeitbohrungen Anfang nächstes Jahr fliessen ebenfalls in die Korrektur der Messdaten ein.

Das 150 Kilogramm schwere Fallgewicht ist im roten Metallkäfig montiert, der am Messstandort aufgerichtet wird.

Das 150 Kilogramm schwere Fallgewicht ist im roten Metallkäfig montiert, der am Messstandort aufgerichtet wird.

Wo wird momentan vermessen und gemessen?

In unserem letzten Beitrag hat Projektleiter Marian Hertrich die Arbeiten für die seismischen Messungen im Standortgebiet Jura Ost erläutert. Die im Video gezeigte Karte haben wir mit dem aktuellem Datenstand unten nochmals abgebildet. Die Arbeiten – die Vermessung der Geofon- und Anregungspunkte und die eigentlichen Messungen – sind seit letztem Freitag natürlich weiter vorangeschritten. Dies ist im Vergleich zwischen Bild und Video leicht zu erkennen.

Stand der seismischen Messungen. Bild: Nagra

Stand der seismischen Messungen. Bild: Nagra

 

«Die Nagra schaut, ob man gewisse Orte für Tiefenlager für Atomabfälle brauchen kann»

12 Mädchen und Buben nahmen gestern am Zukunftstag bei der Nagra teil und besichtigten die seismischen Messungen. Lesen Sie mehr im Bericht unter: «Wir haben gesehen, wie Geologen arbeiten»

Übrigens: Die seismischen Messungen können auf Voranmeldung auch von Schulklassen besucht werden. Melden Sie sich bei Jutta Lang, Tel.: 056 437 12 39, E-Mail: jutta.lang@nagra.ch.

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Marian Hertrich, Projektleiter 3D-Seismik, zeigt, wie die Geofone in den Boden gesteckt werden. (Foto: Nagra)

 

 

 

Sich einen Überblick über das Thema Seismik verschaffen

Bericht von der Informationsveranstaltung zu den seismischen Messungen
17. Oktober, in Brugg 

Kühl ist es an diesem Samstagvormittag. Dennoch haben rund 30 Personen den Weg ins Kasernenareal an der Aare gefunden und sitzen nun im Hörsaal. Ueli Müller, Präsident der Regionalkonferenz Jura Ost, begrüsst die Anwesenden, bevor Annatina Foppa vom BFE zum Sachplan Geologische Tiefenlager referiert. Marian Hertrich, Projektleiter, erläutert darauf Prinzip und Vorgehen bei seismischen Messungen. Wie stark die Vibrationen vergleichsweise seien, möchte ein Herr wissen. Diese liessen sich mit der Stärke eines Abbruchhammers vergleichen, antwortet Hertrich. Ein anderer fragt, wie mit allfälligen Schäden umgegangen werde. Nagra-Geologe Hanspeter Weber, der seit Anfang September mit seinem Team jeden Grundeigentümer und Pächter im Standortgebiet Jura Ost persönlich informiert, führt aus: „Wir können Schäden nicht ausschliessen, aber wir gehen auch nach den Messungen nochmals bei den Eigentümern vorbei und fragen nach, ob alles ok ist.“ Marian Hertrich ergänzt: „Wir halten insbesondere Sicherheitsabstände zu Wasser- oder Gasleitungen ein. Für Gebäude gibt es klare Richtlinien, wie stark die Vibrationen sein dürfen.“ Und man überwache diese fortlaufend und könne die Messungen jederzeit stoppen, wenn die Grenzwerte überschritten würden.

Platz für Gespräche
Danach geht es in die Halle nebenan, wo an verschiedenen Info-Punkten Mitarbeitende der Nagra und des BFE sowie Vertreter der Regionalkonferenz Jura Ost für weitere Informationen und Gespräche bereit stehen. Es wird rege diskutiert. Auch später noch beim Mittagessen im glücklicherweise geheizten Raum nebenan. Es gibt feine Suppe, Wurst und Brot. Und ein Stück Kuchen wer mag.

Informationen an Bürger weitergeben
Auch die Gemeinderäte Roland König und Donat Gubler aus Villnachern sind an den Anlass gekommen. Roland König möchte sich einen Überblick über das Thema Seismik verschaffen: „Ich bin hergekommen, weil ich für die Gespräche mit anderen auf dem aktuellsten Stand zu den Messungen sein will. Nur so kann man sachlich diskutieren.“ Und Donat Gubler ergänzt: „Unsere Gemeinde ist ja betroffen. Ich finde es wichtig, dass man die Bevölkerung informiert. Und hier bekomme ich die notwendigen Informationen direkt von den zuständigen Personen.“

Fotosession im Vibrationsfahrzeug
Um die Mittagszeit treffen dann weitere Familien ein. Vom Angebot sich im Vibrationsfahrzeug fotografieren zu lassen machen viele der Besucher Gebrauch. Später klettert Marlies Lindow von der Messfirma DMT wieder hinters Steuer. Sie steuert eines der rund 19 Tonnen schweren Fahrzeuge bei den Messungen im Feld. Heute startet sie das Fahrzeug für Demonstrationszwecke. Gespannt schauen die Anwesenden zu, wie sich die grosse Platte langsam nach unten senkt, um dann 18 Sekunden lang zu vibrieren. Daneben hat Corinna Gerfen, die auch für die DMT arbeitet, ihr Messgerät aufgestellt und die Zuschauer können auf dem Display verfolgen, welche Stärke die Vibrationen in knapp drei Meter Entfernung haben.

Auch am Nachmittag besuchen rund 30 Personen den Anlass. Einem Nagra-Mitarbeitenden, der engagiert über die Auswertung der seismischen Messungen erzählt, bleibt sogar die Stimme am Ende fast gänzlich weg – aber nur aufgrund einer hartnäckigen Erkältung. Wir bedanken uns bei allen, die gekommen sind, für Ihr Interesse.

Unten stehend ein paar Impressionen vom Samstag:

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In der Halle wird rege diskutiert und informiert, auch über Führungen in den Felslabors.

Version 2

Roland König und Donat Gubler, Gemeinderäte aus Villnachern, informieren sich vor Ort über die seismischen Messungen.

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Im Einsatz für die Nagra in Jura Ost: Marlies Lindow, DMT (oben) steuert eines der Vibrationsfahrzeuge im Feld. Corinna Gerfen (links unten) überwacht die Stärke der Schwingungen an Gebäuden. Und Ivonne Schwarz (rechts unten) regelt im Begleitfahrzeug den Verkehr.

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Fototermin für Petra Blaser, Nagra, die seit Anfang September in Jura Ost die Grundeigentümer und Pächter über die seismischen Messungen informiert.

 

 

Den Vibrationsfahrzeugen auf der Spur

Seit 1. Oktober sind die Vibrationsfahrzeuge im Standortgebiet Jura Ost (JO) unterwegs. Die Teams fahren entlang paralleler Messabschnitte in Richtung Südwesten. Sie gehen Abschnitt für Abschnitt vor. „Das Besondere an dieser Kampagne ist, dass man die erledigten Arbeiten tagesaktuell verfolgen kann“, sagt Andreas von der Dunk, einer der Spezialisten für das Geografische Informationssystem bei der Nagra. „Bei den früheren Seismik-Kampagnen war dies noch nicht möglich. Das ist ein sehr grosser Fortschritt.“

Genaue Fahrrouten vorgegeben

Die Messgebiete folgen nicht dem Verlauf einzelner Strassen, sondern den zuvor ausgelegten Geofonlinien. Diese sind 120 Meter voneinander entfernt. Alle 30 Meter befindet sich ein Anregungspunkt, an dem die Vibrationsfahrzeuge Schwingungen erzeugen. Dies hat auch einen Einfluss auf die Fahrrouten der Vibrationsfahrzeuge. So sind zwei Teams mit jeweils zwei Vibrationsfahrzeugen im sogenannten Flip-Flop-Verfahren unterwegs. Um Zeit zu sparen, erzeugt das eine Team Schwingungen, während das andere schon zu den nächsten Anregungspunkten fährt.

Gemessen wird von Montag bis Samstag. Ziel ist, das rund 100 Quadratkilometer grosse Gebiet in drei Monaten seismisch zu untersuchen.

Von Mandach bis Densbüren: Die Messteams arbeiten die Abschnitte nacheinander ab; die Daten werden laufend im Geografischen Informationssystem (GIS) bei der Nagra aktualisiert.

Von Mandach bis Densbüren: Die Messteams arbeiten die Abschnitte nacheinander ab; die Daten werden laufend im Geografischen Informationssystem (GIS) bei der Nagra aktualisiert.

Nächster Stopp Infopunkt „Seismik“ – Informationsveranstaltung und Führungen

Infotag

(Foto: Beat Müller)

Informationsveranstaltung für alle in Brugg
Einen Informationsparcours rund ums Thema Seismik können Sie bereits am Samstag, 17. Oktober, auf dem Militärgelände in Brugg durchlaufen. Die von der Regionalkonferenz Jura Ost organisierte Veranstaltung kann von 10 bis 15 Uhr besucht werden. Unter anderem können Sie sich in einem Vibrationsfahrzeug fotografieren lassen. Weitere Informationen können Sie dem unten stehenden Flyer entnehmen.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch.

Einladung_InformationsveranstaltungBrugg171015

Besuch der seismischen Messungen für Schulen
Was sind 3D-Seismik-Messungen? Wozu braucht es Geofone und Vibrationsfahrzeuge? Wenn Sie mit Ihrer Klasse Interesse haben, die seismischen Messungen vor Ort zu besichtigen, melden Sie sich bei Jutta Lang, Tel.: 056 437 12 39, E-Mail: jutta.lang@nagra.ch. Wir organisieren gerne eine informative Besichtigung für Sie.

 

Seismik-Film: Ein Blick in den geologischen Untergrund

Erfahren Sie, wie der Erdboden bis in mehrere hundert Meter Tiefe erkundet wird.

Mit Hilfe von Vibrationsfahrzeugen und Geofonen erforschen die Wissenschaftler der Nagra die Gesteinsschichten unter der Erde. Die 3D-Seismik-Messungen in der Schweiz starten im Standortgebiet Jura Ost am 1. Oktober. Der Seismik-Film vermittelt Interessierten und der betroffenen Bevölkerung einen ersten Eindruck, bevor die eigentlichen Messungen beginnen. Deshalb wurden die Aussenaufnahmen vorab in der Umgebung von Strasbourg gedreht. In der Schweiz werden nicht vier, sondern nur zwei Vibrationsfahrzeuge eingesetzt.

Wir bedanken uns beim gesamten Team der Messfirma DMT für die freundliche Unterstützung während der Dreharbeiten und bei FONROCHE géothermie für die freundliche Genehmigung der Dreharbeiten.