«Ich freue mich, dass wir bald im Feld loslegen können»

Marian Hertrich stiess im Oktober 2011 zur Nagra. Seit der 2D-Seismik-Kampagne 2011/2012 arbeitet er als Projektleiter Geophysik. Wir haben Marian Hertrich zu den Vorbereitungen für die bevorstehenden 3D-Seismik-Messungen befragt.

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Bald geht es los. Freust du dich?
Ich freue mich sehr, dass wird bald im Feld loslegen können. Die Planung für die 3D-Seismik-Kampagne lief vier Jahre. Zuerst kümmerten wir uns um die technischen Aspekte der Messungen wie zum Beispiel: Wie viele Geofone in welchen Abständen braucht es? Nach Klärung aller Detailfragen nahmen wir dann mit den zuständigen Kantonsbehörden der beiden Standortgebiete Kontakt auf. Im Aargau beispielsweise gibt es das Gesetz über die Nutzung des tiefen Untergrunds und die Gewinnung von Bodenschätzen, das GNB. Gemäss diesem mussten wir für unsere geplanten Seismik-Messungen ein Gesuch einreichen. Wir warten nun auf die Rückmeldung.

Du und dein Team, Ihr seid nicht alleine unterwegs, sondern habt einen kompetenten Partner an eurer Seite…
Da es keinen Schweizer Anbieter gibt, führt die deutsche Firma DMT die Messungen für uns durch. Diese Firma hat für uns bereits bei der 2D-Seismik-Kampagne 2011/12 gemessen. Sie kennt sich gut mit den Schweizer Verhältnissen aus, auch von Einsätzen in der Innerschweiz und in St. Gallen her.

Du hast mit dieser Seismikkampagne eine ziemlich verantwortungsvolle Aufgabe…
Ja, sicher die Verantwortung bei so einem Projekt ist gross, aber ich bin Teil eines Teams und trage die Verantwortung daher nicht alleine. Ich bin dafür zuständig, dass die Messungen technisch korrekt ablaufen. Für die Information unserer Anspruchsgruppen beispielsweise trägt ein anderer Kollege zusammen mit seinem Team die Verantwortung. Um zu erfahren, was die Leute draussen beschäftigt, schaue ich, dass ich – wann immer möglich – bei den Informationsgesprächen dabei sein kann.

Apropos Information: Wie geht ihr da vor?
Die Fläche für die 3D-seismischen Messungen ist gross und dementsprechend müssen viele Leute informiert werden: vom Förster über den Jäger bis hin zu den Grundeigentümern und Waldbesitzern. Mir ist wichtig, dass wir die Messungen zur Zufriedenheit aller Beteiligten durchführen können. Ab und zu spüren wir bei Gesprächspartnern zuerst eine gewisse Zurückhaltung. Diese weicht aber meistens schnell, weil die Leute an unserer Arbeit interessiert sind. Ich denke, wenn dann der Messtrupp mit den imposanten Vibrationsfahrzeugen unterwegs ist, werden viele fasziniert sein.

Wen informiert ihr sonst noch und wie geht es weiter?
Wir informieren umfassend über unsere Arbeiten: die Gemeinden und Kantone mit ihren zuständigen Fachbehörden, die Regionalkonferenzen und das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat als Aufsichtsbehörde. Eine breit gefächerte Information ist uns wichtig. Kürzlich hatten wir unter anderem auch die Gelegenheit die beiden Bauernverbände Aargau und Zürich über unsere geplanten Arbeiten zu informieren.
Im Kanton Aargau haben wir – wie erwähnt – ein Gesuch für die Durchführung der Seismik-Messungen beantragen müssen. Die Gemeinden, auf deren Gebiet die Messungen stattfinden, wurden vom Kanton bereits informiert und geben bei Bedarf eine Rückmeldung. Erst danach folgen der Entscheid des Kantons und dann voraussichtlich die formelle Genehmigung unseres Gesuchs. Dies ist für uns dann der Startschuss: Voraussichtlich ab September können wir mit den Vorbereitungsarbeiten im Feld beginnen. Wenige Wochen später starten dann die Messungen.

Dies ist voraussichtlich die letzte Seismik-Kampagne der Nagra. Bist du danach arbeitslos?
Nein, ich habe noch für eine lange Zeit genug Arbeit. Mit weiteren geophysikalischen Erkundungsmethoden und Bohrungen, den sogenannten Quartärbohrungen*, wollen wir noch mehr über die oberflächennahen Gesteinsschichten erfahren.
In etwa zwei Jahren stehen dann die Tiefbohrungen auf dem Plan, in denen wir begleitende geophysikalische Messungen wie beispielsweise Bohrlochseismik durchführen werden. Bei diesen Projekten werde ich ebenfalls für die technische und organisatorische Vorbereitung der Messungen zuständig sein.

Was findest du spannend an deiner Arbeit?
Die Geophysik fasziniert mich sehr. Dabei geht es um die Erforschung von Strukturen unter der Erdoberfläche wie Gesteinsschichten oder verborgene Bauten. Als Arbeitsinstrument nutzen wir Geophysiker unter anderem die Seismik. Sie liefert uns viele Informationen über den Untergrund und dies nicht nur bei der Standortsuche für ein Tiefenlager. Während meines Studiums haben wir sogar römische Villen geophysikalisch vermessen – das fand ich sehr faszinierend. Mein Fachwissen gebe ich auch gerne an Studierende der ETH Zürich weiter, wo ich ab und zu eine Vorlesung halte.
Ich bin stolz, dass ich für die Nagra so eine grosse Kampagne planen und durchführen darf. Mit unserer Arbeit tragen wir dazu bei, denjenigen Standort für ein geologisches Tiefenlager zu finden, der die bestmögliche Sicherheit bietet.

*Das Quartär ist der jüngste Zeitabschnitt der Erdgeschichte, der vor 2.6 Millionen Jahren begonnen hat und bis heute geht.


Haben Sie Fragen zu den bevorstehenden seismischen Messungen?
Auskünfte erhalten Sie via E-Mail (seismik@nagra.ch) und über das Gratistelefon 0800 437 333.

«Als ob man selbst in den Untergrund abtauchen würde»

Die Nagra führt voraussichtlich ab Herbst 2015/16 seismische Messungen in den möglichen Standortgebieten Zürich Nordost und Jura Ost durch. Herfried Madritsch arbeitet seit mehr als sechs Jahren bei der Nagra. Er war schon bei der Seismikkampage 2011/12 für die geologische Interpretation der Daten zuständig.

Herfried Madritsch vor der geologischen Interpretation einer seismischen Messung (Foto: Nagra)

Herfried Madritsch vor der geologischen Interpretation einer seismischen Messung (Foto: Nagra)

Was sind Deine Aufgaben bei der kommenden Seismikkampagne?

Meine Hauptaufgabe ist die Leitung der geologischen Interpretation der seismischen Daten nach Abschluss der Datenaufnahme im Feld und der seismischen Datenverarbeitung. In der Vorbereitungsphase für die Messung war ich deshalb an der Definition der Erkundungsziele für die Seismik beteiligt. Dabei gilt es beispielsweise anzugeben, in welcher Tiefe das Wirtgestein Opalinuston erwartungsgemäss liegt, das man durch die Seismik abbilden möchte. Aus dieser Zieltiefe ergeben sich gewisse Vorgaben an die Auslegung der Seismikmessung wie zum Beispiel Abstand und Anzahl der Messpunkte.

Welche geologischen Eigenschaften des Untergrunds möchtet ihr mit euren Messungen abbilden?

Mit den 3D-Seismikmessungen erkunden wir vertieft die geologischen Untergrundverhältnisse in den vorgeschlagenen Standortgebieten für ein geologisches Tiefenlager. Wir legen vorab Messgebiete fest, die sogenannten Seismikperimeter. Wir erfassen Tiefenlage und Mächtigkeit, das heisst die Dicke der verschiedenen Gesteinsschichten, sowie deren Ausdehnung und Geometrie. Insbesondere betrachten wir den Opalinuston und die unter- und überlagernden Gesteine. Wichtig ist es auch, tektonische Störungszonen im Untergrund zu erkennen und zu lokalisieren, denen man bei der Platzierung eines geologischen Tiefenlagers ausweichen möchte.

Wie wurden die Perimeter für die Seismikmessungen festgelegt?

In der Regel legt der Geologe zunächst fest, von welchen Bereichen des Untergrunds er ein seismisches Abbild braucht. Ein Geophysiker kann die Seismikperimeter anschliessend entsprechend planen. Dabei ist zu beachten, dass die Messfläche über den eigentlichen Interessensbereich des Geologen erweitert werden muss. Dies führt dazu, dass die Fläche zum Teil um einige Kilometer über die geologischen Standortgebiete hinausreicht. Der Grund dafür ist einfach: Endet der Seismikperimeter genau an der Gebietsgrenze, könnten wir die Strukturen am Rand nicht genau erkennen. Das würde dazu führen, dass wir keine Aussagen über deren Struktur oder Ausdehnung treffen können und ob sie eine Auswirkung auf ein geologisches Tiefenlager haben.

Wie läuft die Auswertung der Daten ab?

Zunächst werden die im Feld gewonnen Daten mithilfe aufwendiger geophysikalischer Verfahren für die Interpretation aufbereitet. Dabei kommen eine ganze Reihe an geophysikalischen Verfahren zum Einsatz, welche die Felddaten zu einem geologisch interpretierbaren 3D-Seismikkubus zusammenführen, wobei das Datensignal verbessert wird (vgl. Bild). Die eigentliche geologische Interpretation beginnt erst nach Abschluss dieser sogenannten Datenverarbeitung, etwa ein halbes Jahr nach Ende der Feldarbeiten. Dank der 3D-Seismik erhalten wir ein sehr detailliertes Bild des Untergrunds: Erste Erkenntnisse über den generellen Verlauf der verschiedenen Schichten sowie Lage und Geometrie grösserer Störungszonen gewinnt der Experte, der sogenannte “Seismik-Interpret“, relativ rasch. Sind die wichtigsten geologischen Schichtgrenzen und der Verlauf der grösseren tektonischen Störungen erstmal klar, wird der sehr umfangreichen Datensatz hinsichtlich verschiedenster anderer geologischer Eigenschaften tiefergehend ausgewertet.

Perspektivische Darstellung ausgewerteter 3D-seismischer Daten. Zu sehen sind die geologischen Schichten im Untersuchungsgebiet. (Abbildung: Nagra)

Perspektivische Darstellung ausgewerteter 3D-seismischer Daten. Zu sehen sind die geologischen Schichten im Untersuchungsgebiet. (Abbildung: Nagra)

Was persönlich reizt dich an deiner Aufgabe?

Seismische Daten geologisch auszuwerten, ist ein bisschen so, als ob man selbst in den Untergrund abtauchen würde. Besonders faszinierend ist es, wenn man Daten aus einem Gebiet auswerten darf, das bisher nie so detailliert untersucht wurde. Da lernt man enorm dazu. Die damit verbundene Spannung und das Entdeckergefühl motivieren mich persönlich sehr.

Seismik und Standortsuche

Bereits in den 1980er-Jahren erkundeten Geowissenschaftler mögliche Standorte für die Lagerung radioaktiver Abfälle unter anderem mittels Tiefbohrungen und Seismik. Ein Blick zurück auf vergangene seismische Messungen der Nagra.

Die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle Nagra leistete mit ihrer Suche nach möglichen Lagern für radioaktive Abfälle ebenfalls wertvolle Grundlagenforschung: Unter anderem wurde durch Bohrungen und Seismik die Existenz des Nordschweizer Permokarbon-Trogs (siehe Sachplan geologische Tiefenlager, Konzeptteil, Seite 18) bestätigt. Im Rahmen der erdwissenschaftlichen Untersuchungen der Nagra führten Geowissenschaftler 1982 in der Nordschweiz ein erstes reflexionsseismisches Messprogramm durch. Es umfasste elf Profile mit einer Gesamtlänge von 182 Kilometer. Ziel war es, mehr über die Struktur des Grundgebirges (Kristallin) herauszufinden und Daten zu den vorgesehenen Bohrstandorten (vgl. Bohrungen der Nagra) zu sammeln. Zwei weitere seismische Messkampagnen folgten in den Jahren 1982 bis 1984 (vgl. seismische Messungen Nagra).

Im Zürcher Weinland (heutiges geologisches Standortgebiet Zürich Nordost) untersuchte die Nagra die Eignung des Wirtgesteins Opalinuston für ein geologisches Tiefenlager für hoch und langlebig mittelaktive Abfälle (Entsorgungsnachweis für hochaktive Abfälle). Nach dieser regionalen Erkundung mit 2D-Seismik in den Jahren 1991/92 führte sie im Winter 1996/97 eine grosse 3D-Seismikkampagne auf einem Gebiet von rund 50 Quadratkilometern durch.

Seismische Messungen bei Regensberg: Vibrationsfahrzeuge und Geophone

Seismische Messungen bei Regensberg (1991/92): Vibrationsfahrzeuge und Geophone Quelle: Nagra

 

Im Rahmen der erweiterten Standortsuche für geologische Tiefenlager hat die Nagra vom Oktober 2011 bis März 2012 in den möglichen Standortgebieten Südranden, Nördlich Lägern, Jura Ost und Jura-Südfuss 2D-seismische Messungen vorgenommen. Dies auf einer Länge von insgesamt 305 Profilkilometern. Diese Messungen dienten der vertieften Untersuchung der geologischen Standortgebiete und waren grundlegend für die Beurteilung der Platzverhältnisse für geologische Tiefenlager. Zusammen mit den bereits vorhandenen seismischen Profillinien aus früheren Messkampagnen ergibt sich ein aktualisiertes Gesamtbild des geologischen Untergrunds der Nordschweiz mit einer hohen Datendichte in guter Qualität. Mit den Ende 2015 beziehungsweise Anfang 2016 geplanten 3D-seismischen Messungen in den geologischen Standortgebieten Jura Ost und Zürich Nordost, werden die Informationen über den geologischen Untergrund weiter ergänzt und verdichtet.

Im nächsten Blogbeitrag geht es darum, was vor und nach den eigentlichen seismischen Messungen zu tun ist. Mehr erfahren Sie in einem Interview mit Herfried Madritsch, der bei der Nagra für die Datenauswertung zuständig ist.

Seismik und das schwarze Gold

Mittels seismischer Messungen erkunden Geologen nicht nur mögliche Standortgebiete für die Lagerung radioaktiver Abfälle. Seismik kommt auch bei der Rohstoffsuche weltweit zum Einsatz – in der Schweiz bereits vor 50 Jahren das erste Mal.

Was seismische Messungen mit Erdöl zu tun haben? Als 1956 die Suezkrise den ersten Erdölschock ausgelöst hatte, reagierte die Schweiz: 1957 wurde die «Aktiengesellschaft für schweizerisches Erdöl» SEAG gegründet und die Suche nach Kohlenwasserstoffen (Erdöl, Erdgas) gestartet. Dabei wurden auch erste seismische Messungen in der Schweiz durchgeführt. Diese lieferten Informationen über den Untergrund, welche für die ersten Explorationsbohrungen nördlich des Hauptalpenkamms (1958 bis 1961), beispielsweise im zürcherischen Küsnacht, nützlich waren.

Allerdings war zu Beginn der 1960er-Jahre die Seismik noch nicht in der Lage, tektonisch komplexe Strukturen wie die Alpenrandzone aufzulösen. Aus diesem Grunde erkundete man vor allem das Molassebecken des Mittellands (siehe auch www.nagra.ch/de/geologieschweiz.htm > Mittelland). Zahlreiche Seismik-Kampagnen der SEAG und weiterer Gesellschaften folgten unter anderen in den Kantonen Zürich, Schaffhausen, Thurgau, Aargau, Luzern, Bern und der Westschweiz. Bis 1990 wurden insgesamt über 2’700 Kilometer an Land und ungefähr 500 Kilometer auf dem Bodensee seismisch vermessen. Gefunden wurde übrigens Erdöl im Kanton Waadt, wobei die geförderte Menge nur etwa zwei Tanklastwagen entsprach. 1980 stiessen Ingenieure im Entlebuch auf Erdgas. Kommerziell ausgebeutet wurde das dortige Vorkommen 10 Jahre lang.

Im nächsten Beitrag erfahren Sie, welche seismischen Messungen die Nagra bis anhin durchgeführt hat. 

Begleitend zu seismischen Untersuchungen wurden auch Bohrungen abgeteuft. 1972 suchte man im Emmental (Linden) nach Erdöl. (Quelle: RDB/ATP/Kuhn)

 

 

Blick in den geologischen Untergrund

Voraussichtlich Ende September 2015 beginnen die 3D-seismischen Messungen im Standortgebiet Jura Ost. Doch was sind eigentlich seismische Messungen?

Die Seismik beinhaltet das Studium der Ausbreitung von seismischen Wellen durch die unterschiedlichen Gesteinsschichten im geologischen Untergrund. Vergleichbar ist dies mit der Wassertiefenmessung mit dem Echolot: Vom Schiff ausgesandte Schallwellen werden – nach Reflexion am Seegrund – wieder empfangen. Dies erlaubt eine Kartierung des Gewässergrundes. Analog ermöglicht die Seismik die räumliche Darstellung von Gesteinsschichten bis in Tiefen von mehreren Kilometern.

Bei Messungen an Land erfolgt die Anregung der seismischen Wellen durch Vibrationsfahrzeuge oder das Zünden kleiner Sprengladungen (in Bohrlöchern von wenigen Metern Tiefe). Die Wellen breiten sich im Untergrund aus, wo sie an den Grenzen der Gesteinsschichten teilweise reflektiert werden. Innerhalb von Sekunden erreichen diese «Echos» wieder die Erdoberfläche, wo sie mit empfindlichen Messgeräten, sogenannten Geofonen, aufgezeichnet werden (weitere Informationen). Aufgrund der unterschiedlichen Laufzeiten der Signale kann auf die Tiefe der zu erkundenden Schichten geschlossen werden.

Die erhobenen Daten geben Aufschluss über Lage und Struktur der Gesteinsschichten im Untergrund, insbesondere über Mächtigkeit und Störungszonen. Moderne Seismikmethoden erlauben auch Aussagen über gewisse Gesteinseigenschaften und können selbst kleine strukturelle Unregelmässigkeiten sichtbar machen.

Bei der herkömmlichen Seismik wird der Untergrund entlang von mehr oder weniger geradlinigen Profilen abgetastet. Entlang dieser Linien kann man vertikale Schnittbilder der geologischen Strukturen ermitteln.

Beim dreidimensionalen Verfahren (3D-Seismik) werden die Anregungspunkte und die Geofone flächendeckend über grössere Gebiete verteilt. Dadurch lässt sich die Beschaffenheit des Untergrundes lückenlos darstellen.

Methodik der 3D-Seismik: Flächendeckende Abtastung des Untergrundes bei der 3D-Seismik. Der Untergrund wird in sich überdeckenden Flächensegmenten abgetastet (durchschnittlich 20-fache Überdeckung), hier schematisch dargestellt an einer einzelnen Gesteinsschichtgrenze. Durch die gleichzeitige Abtastung aller darüber- und darunterliegenden Gesteinsschichtgrenzen bis in grosse Tiefen entsteht eine dreidimensionale Abbildung des Untergrundes.


Seismische Messungen starten in wenigen Monaten

In den vorgeschlagenen Standortgebieten für geologische Tiefenlager Jura Ost und Zürich Nordost stehen ab Herbst 2015 seismische Messungen an.

Bild: Beat Müller

Die Nagra wird die vorgeschlagenen Standortgebiete in den nächsten Jahren vertieft mittels seismischer Messungen und Sonderbohrungen untersuchen. Für die Seismik-Kampagne ist geplant, dass die Vibrationsfahrzeuge ab Ende September 2015 im Standortgebiet Jura Ost losfahren können. Dauern werden die Messungen ungefähr drei Monate. Voraussichtlich Anfang 2016 beginnen die dreiwöchigen Messungen im Standortgebiet Zürich Nordost. Diese ergänzen die Untersuchungen, welche bereits für den Entsorgungsnachweis für ein Tiefenlager für hochaktive Abfälle gemacht wurden.

In Abstimmung mit Kantonen und Gemeinden

Zuvor braucht es aber eine enge Zusammenarbeit und die Abstimmung mit Kantonen und Gemeinden. Im April hat die Nagra das Gesuch für die Durchführung von seismischen Messungen beim Kanton Aargau eingereicht. Zwar gibt es auf Bundesebene keine Bewilligungspflicht für Seismikmessungen. Im Kanton Aargau gibt es aber seit Kurzem das «Gesetz über die Nutzung des tiefen Untergrunds und die Gewinnung von Bodenschätzen», welches die Einreichung eines kantonalen Gesuchs fordert. Die Kantone Zürich und Schaffhausen kennen kein solches Gesetz, die Nagra arbeitet aber genauso intensiv mit ihnen zusammen. Zudem begleiten Fachbehörden von Bund und Kantonen die Seismik-Messungen.

Der Seismik-Blog geht mit diesem Beitrag in die zweite Runde. Schon 2011/2012 gab es zahlreiche Artikel rund um die Feldarbeiten zu lesen. Wir möchten Ihnen wiederum regelmässig Informationen zu den Vorbereitungen und – ab Herbst 2015 dann – zu den Messungen bieten. Wir freuen uns auf Ihre Fragen und Bemerkungen.

Warum muss man Gebiete befliegen?

Interview mit Marian Hertrich

Warum muss man vor einer Seismik-Kampagne das Gelände überfliegen?
Für die Seismik sind die Befliegungsdaten an mehreren Stellen wichtig. Für die Planung der Messauslage im Feld verwenden wir hochauflösende Geodaten. Neben existierenden topographischen Karten nutzen wir auch aktuelle Luftbilder, auf denen der Verlauf und Zustand von Feldern, Wegen und Überbauungen erkennbar ist. Auf den digitalen Geländemodellen erkennt man Änderungen des Geländes durch Kiesgruben, Steinbrüche, Deponien und grössere Bauprojekten, wie z.B. Strassen oder Bahnlinien. Die Daten einer Befliegung zeigen immer den neuesten Stand und sind daher verlässlicher als Landkarten. Bei der Auswertung der Seismikdaten werden die Höhenmodelle erneut verwendet, um die Position der Geophone exakt zu bestimmen in Gebieten, in denen die Vermessung z.B. mit GPS nur eingeschränkt möglich ist.

Worauf muss man bei der Befliegung achten?
Die Befliegung muss in einem Zeitfenster stattfinden, in dem die Bäume nur wenig belaubt sind, damit der Messstrahl die Erdoberfläche erreicht und nicht im Blätterdach reflektiert wird. Ausserdem sollte keine Schnee mehr vorhanden sein, da auch dieser die wahre Erdoberfläche verfälscht. Für die Aufnahme von Luftbildern muss man zusätzlich auf einen ausreichenden Sonnenstand achten, damit keine grossen Schatten vorhanden sind und die Bilder gut ausgeleuchtet sind. Diese Randbedingungen beschränken die Zeitspanne der Befliegung auf etwa Ende Februar, wenn die Sonne über Mittag hoch genug steht, bis Ende April, wenn die Vegetation zu dicht wird. In diesem Zeitfenster muss dann aber auch das Wetter stimmen, damit das Flugzeug überhaupt starten kann. Bei dichter  Bewölkung, Hoch- oder Bodennebel oder Regen kann die Messung  nicht durchgeführt werden.

Was waren die besonderen Herausforderungen?
Für erfolgreiche Messungen müssen alle Randbedingungen erfüllt sein. In dem kurzen Zeitfenster muss das Wetter stimmen, das Flugzeug muss verfügbar sein und kurzfristig ins Messgebiet mobilisieren und zusätzlich muss die Flugsicherung bei Ankunft im Messgebiet den Überflug bewilligen. Hier gibt es mitunter mehrere Anfragen für Überflüge, die sich überschneiden. Im Grossraum Zürich hat ausserdem der Flughafen Zürich natürlich absolute Priorität. All dies zu koordinieren kann schon eine rechte Herausforderung sein. 

Warum hat die Befliegung so lange gedauert?
Im vergangenen Jahr war es der lange, trübe Winter, der die Befliegung stark eingeschränkt hat. Es gab nur wenige zusammenhängende Flugtage, an denen brauchbare Daten erhoben werden konnten, bevor die Vegetation so weit fortgeschritten war, dass wir abbrechen mussten. Das war schon ziemlich frustrierend. Letztendlich konnten nur die Gebiete Jura-Südfuss und Jura Ost abgeschlossen werden. In diesem Jahr war die Gesamtwetterlage wesentlich besser, dieses Mal gab es allerdings mehrere Projekte in der Nordschweiz für Befliegung. Dadurch war es schwierig, die Bewilligung von der Flugsicherung zu bekommen. Da in anderen Projekten vergleichbare Daten aufgenommen wurden, sind wir sehr froh, dass wir die Synergien nutzen und die Daten teilweise von Dritten beziehen können.

Wie geht es nun weiter mit den Daten?
Aus den Laserdaten werden jetzt die Höhenmodelle berechnet. Anschliessend können die Luftbilder anhand des Höhenmodells korrigiert werden ,um letztendlich die Orthofotos zu erhalten. Die Auswertung und Aufbereitung kann bei dem Umfang der Daten noch mehrere Wochen dauern. Die finalen Daten werden nach einer Qualitätskontrolle in unsere Datenbank eingepflegt, so dass wir diese für alle weitere Planungsarbeiten verwenden können.

Vorbereitungsarbeiten für 3D-Seismik

Zurzeit laufen die Vorbereitungsarbeiten zu den 3D-seismischen Untersuchungen für Etappe 3 des Sachplanverfahrens geologische Tiefenlager.

Das Partizipationsverfahren und damit die gesamte Etappe 2 des Sachplans haben 2013 Verzögerungen erfahren. Dies führte dazu, dass auch die Planung der 3D-Seismik-Untersuchungen für Etappe 3 angepasst werden musste. Die öffentliche Ausschreibung der Arbeiten ist erfolgt, die entsprechenden Feldarbeiten können aber erst 2015 begonnen werden.

Wir werden mit genügend Vorlauf über die Einzelheiten der Feldarbeiten und deren
Vorbereitungsarbeiten informieren.

Befliegung zur Datenerhebung auch nachts

Für Etappe 3 des Sachplanverfahrens geologische Tiefenlager sind in den
Standortregionen vertiefende, geologische Untersuchungen (u.a. 3D-seismische
Messungen und Sondierbohrungen) notwendig.
Mittels Befliegung der Gebiete werden im Vorfeld der Arbeiten Daten für die
Erstellung der benötigten, hochauflösender Erdoberflächenmodelle gewonnen.
Diese Befliegungen konnten im vergangenen Frühjahr nahezu abgeschlossen werden.
Zum Abschluss der Datenerhebung erfolgt eine letzte Kampagne im Bereich des
Standortgebiets Nördlich Lägern.

Um belastbare Daten zu erhalten, muss die Befliegung im Frühling oder Herbst (wenig Vegetation), bei möglichst wolkenfreiem Himmel und wenn kein Schnee liegt erfolgen. Im Frühjahr 2013 konnte die Befliegung in Nördlich Lägern aufgrund der  Wetterverhältnisse nicht durchgeführt werden.  Deshalb wird sie in der jetzt folgenden vegetationsarmen Periode stattfinden. Um den Betrieb des Flughafens Kloten so wenig wie möglich zu stören, sind für die Datenerhebung ausnahmsweise einige Nachtflügen geplant. Die Nachtflüge werden im Zeitfenster 23:30 bis 2:00 Uhr mit einer zweimotorigen Cessna 402B in einer Flughöhe von rund 1300 m durchgeführt.

Je nach Wetterverhältnissen werden diese Flüge in voraussichtlich 2 bis 3 Nächten
ausgeführt. Wann genau dies sein wird, entscheidet sich sehr kurzfristig. Den
Abschluss der Arbeiten werden wir wiederum hier bekannt geben.